Kritiken

Neue Musikzeitung, Peter Pachl, 09.12.2014

Beim Operntitel „Gold" denkt der Opernkenner zunächst an Julius Bittners Oper „Das höllisch Gold". Aber das Libretto von Flora Verbrugge basiert auf dem Grimmschen Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“, leicht abgewandelt und zugleich aktualisiert. Gold steht bei der Regisseurin Annechien Koerselman als „ein Plädoyer für die Kindheit“.
Die erste Wunscherfüllung sind jedoch vertitable Schuhe für den jungen Jacob, die mit blauen und grünen LED-Leuchten flimmern. Und die Regisseurin lässt den Jungen, als alle immer größer werdenden Wunschreiche zerbrochen sind, diese Schuhe doch an den Füßen behalten. Da denkt der Opernfreund im Haus an der Richard Wagner-Straße unwillkürlich an Richard Wagners Gedicht „Die grünen Schuhe“, in dem es heißt: „Nun bin ich aller Sorgen ledig, denn nur die Schuhe waren nötig!"

NMZ

Berliner Morgenpost, Elena Philipp, 07.12.2014

In der Tischlerei der Deutschen Oper dient "Der Fischer und seine Frau" dem Komponisten Leonard Evers und der Regisseurin Annechien Koerselman als Vorlage für ein kleines, kostbares Stück Musiktheater. Besetzt mit Mezzosopran und Schlagwerk, entführt es in die Welt der Fantasie.
Wunderbar und fatal, denn als die Eltern vom "Zauberunikum" im Meer erfahren, tragen sie Jacob eins nach dem anderen auf: Schuhe, ein Bett, ein Häuschen, nein, doch ein Schloss, Bedienstete, eine Reise zum Mond! All das gewährt der Fisch, aus Koffern quillt immer mehr Kram, Kuscheltiere und Spielecomputer. Ablenkungen en masse – zusehends verlieren sich Jacob und seine Eltern aus den Augen. Mit jedem Wunsch verdunkelt sich auch das Meer, wird der Fisch dünner. Am Ende siegt – wie es für ein Märchen gehört – das Weniger-ist-mehr: "Danke" rufen Jacob und seine Eltern dem Fisch zu, besitzlos glücklich wie zu Beginn.

Tagesspiegel, Christiane Tewinkel, 07.12.2014

Nur das Beste für die lieben Kleinen: Die schönen und sorgfältigen Inszenierungen „Hans im Glück“ an der Staatsoper und „Gold“ an der Deutschen Oper.
Unterdessen bedient die Inszenierung von Annechien Koerselman andere Hebel; sie spricht das junge Publikum über das erprobte „Mitmachen“ und eine kindgerecht erzählte Geschichte an. Vor allem aber lebt die Produktion von der strahlend schlauen Sopranistin Christina Sidak, die sich, begleitet von Lukas Böhm am Schlagzeug, durch mehrere Rollen der Geschichte spielt und singt: Ein pudelbemützter Junge namens Jakob erfüllt seinen Eltern, vor allem der biestigen Mutter, alle Wünsche, bis er im Rausch von Weltraumfahrten und Thailand-Urlauben vom Meer verschluckt wird und verloren geht. Zum guten Ende sind die abermals verarmten Eltern froh, ihn wieder in die Arme schließen zu können. Es ist ein liebenswertes Stück..

Der Tagesspiegel

 

Vor Presse

Berliner Morgenpost, Martina Helmig, 26.11.2014

Der Komponist, die Librettistin und ich haben das Stück von Anfang an gemeinsam entwickelt", erklärt Regisseurin Koerselman. "Flora kam mit einem Vorschlag für eine Szene, Leonard ließ sich davon zum Komponieren anregen und sah dann zu, wie ich es auf der Bühne umsetzen wollte. So eine enge Zusammenarbeit ist wirklich ungewöhnlich.
Die Musik ist interessant und vielseitig, sie hat Jazz-Elemente, und man kann die Melodien gut nachsingen.
Ich selbst bin sehr ungeduldig und versuche immer so zu inszenieren, dass ich mich nicht langweile", meint Annechien Koerselman. "Es passiert immer etwas Neues, wir setzen auf viel Energie und Bewegung. Es gibt Spaß und Spiel für die Kinder, und doch hat es einen ernsten Hintergrund und soll auch für Erwachsene interessant sein.
Die einfallsreichen und klangorientierten Inszenierungen der jungen Regisseurin sind nicht nur in ihrem Heimatland gefragt. Annechien Koerselman, die regelmäßig Romane für die Bühne adaptiert, Theaterstücke schreibt und den "Junge Ohren Preis 2012" erhielt, baut sich in Berlin ein zweites Standbein auf. Ihre Inszenierung des Kinder-Musiktheaterstücks "Kannst du pfeifen, Johanna" hatte viel Erfolg an der Deutschen Oper Berlin. Schon im Juni kehrt sie nach Berlin zurück. Dann inszeniert sie für die Berliner Philharmoniker die Uraufführung von Jonathan Doves Kinderoper "Was lauert da im Labyrinth?

BM

Musik-heute.de, den 10. März 2014

Musik Heute